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Was bringt die Kenntnis der kultur-konstruktivistischen Denkweise für die konkrete Unterrichtspraxis z.B. des Musikunterrichts? 1. Zunächst erscheint es wichtig, die Rolle des Lehrenden nicht als "Opfer" einer zufälligen Schulpolitik zu begreifen, sondern als möglichst selbstbestimmte, kritisch-reflexive Position. Konstruktivistisch-systemische Betrachtung von Kultur/en stärkt die kulturelle Differenzwahrnehmung und verortet die Lehrperson zunächst als Beobachter in einem globalen und nicht mehr regional-reduzierten, europäisch-abendländischen Zusammenhang. Es wird aus der Warte des kulturkonstruktivistischen Beobachters einfacher, vorher komplex und unentwirrbar scheinende Verwebungen und Verschachtelungen kultureller Formationen nun strukturell systematisierbar und damit differenziert zu begreifen und vor allem auch ihre Funktionalität im Hinblick auf das menschliche Individuum deskriptiv zu erfassen. Der auditive Vergleich der Systemverwebungen innerhalb der bundesdeutschen und der sri lankischen Gesellschaft zeigt, dass unter dem Dach des Gesellschaftsgefüges durchaus vergleichbare kulturelle Formationen, Systeme existieren. Insofern entdeckt man Vertrautes im Unvertrauten, HipHop, Rock, Reggae, die auch hier zu den mehr oder weniger vertrauten Kulturen gehören, und funktionale Parallelen, wie das Vorhandensein einer Dominanzkultur mit Gesamtvertretungsanspruch, Regional- und Minderheitenkulturen. Interessant für den Kulturwissenschaftler sind identitäts- und kontextbezogene Untersuchungen, etwa, weshalb Hip Hop Eingang findet, jedoch Metal nicht und inwieweit und warum sich Individuen und Kollektive bestimmter Formationen bedienen. 2. Der zweite wichtige Punkt ist der der Dekonstruktion einer normativen und anmaßenden Ästhetik. Aus der Sichtweise der Funktionalität kultureller Systeme als Hilfsmittel der Identitätsgenese und -aufrechterhaltung heraus, lassen sich keine ästhetischen Hegemonialansprüche mehr anmelden. Jedes kulturelle System ist zunächst einmal wertfrei zu erfassender Beobachtungsgegenstand und vor allem unter dem Aspekt biographischer Anschlussfähigkeit und der Identitätsgewährleistung für Lernende interessant. D. h. ja nicht, dass man sich der Fragestellung einer global gültigen Ethik entziehen muss; dort, wo Systeme menschen- und lebensverachtende, faschistische oder machistische Strukturen entwickeln, können und sollen diese selbstverständlich zur Sprache kommen. Doch davon unberührt gilt es, Toleranz gegenüber systemimmanenter Ästhetik zu entwickeln - eine wichtige Voraussetzung im Umgang mit Unvertrautem. 3. Der soziale oder interaktionistische Konstruktivismus geht davon aus, dass sprachlicher Austausch die im Prinzip einzige Möglichkeit ist, konsensuelle Übereinkünfte zu entwickeln, abzugleichen und daraus eine zeitlich limitierte Realität zu schaffen. Sprachkompetenz im Hinblick auf systemische Funktionalität und Strukturierung von Kultur sind also wichtiges kulturelles Kapital, das man entwickeln kann, um selbstbestimmt kulturelle Strukturen, Formationen und Entwicklungen mitzukonstruieren, zu verändern oder zu verlassen - eine wichtige Kompetenz, um Fremdbestimmtheit weitgehend zu widerstehen und damit die nötige Ich-Stärke und Reflexionsfähigkeit zu entwickeln, um in einer multikulturellen Welt mit dem Gefühl des Erfolgs und der persönlichen Freiheit weitestgehend selbstbestimmt zu überleben. Sehen wir uns zunächst die Animation der Systemdynamik an, die die Prozesshaftigkeit der systemischen Entwicklung darzustellen versucht (Klick auf den Button). Danach wird der Vergleich der kulturellen Strukturiertheit der deutschen und sri lankischen Gesellschaft veranschaulicht (Klick auf den Abschnitt oben im Text oder hier).
Didaktik Was die Didaktik anbetrifft, so kann grundsätzlich von den zwei konstruktivistischen Erfahrungsmöglichkeiten ausgegangen werden: - Erfahrungszuwachs durch Perturbation (Verstörung, Schock) und - Erfahrungszuwachs durch Differenzwahrnehmung. Beide basieren auf der Hirnforschung, die erkannt hat, dass neue Erfahrungen sowohl emotional (Amygdala) als auch reflexiv (Neo Cortex) mit vorhandenen abgeglichen und entsprechend eingeordnet werden. Dabei ist die Interpretationsleistung von innen ebenso groß wie die Information von außen, was für die konstruktivistische Theorie der individuellen, biographisch verankerten Verinselung menschlicher Gehirne spricht. An methodischen Möglichkeiten, neue Erfahrungen zu gewinnen, lassen sich ebenfalls zwei ausmachen: - mimetisches Erfahren und Zusätzlich ist hier auf die Hemisphärenbalance (Arbeit mit allen Sinnen)zu achten. Hervorragende Anregungen bietet Prof. Dr. Kersten Reich/Universität Köln im Internet an. |
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