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Trommelopfer für Buddha Download des gesamten Artikels einschließlich sämtlicher Materialien (3 Stationen, Edutainment-Materialien für alle Sinne)
Erfahrungssegmente aus buddhistischen Musikkulturen von Martina Claus-Bachmann

- Schule als Abbild einer pluralen Lebenswelt mit hoher Differenzmannigfaltigkeit, Vielheit der Meinungen, Lebensziele und Lebensformen muss inhaltlich und methodisch dem lndividualisierungsbedürfnis des einzelnen Schülers begegnen und ihm bei der Entwicklung einer pluralen ldentität Hilfestellung leisten. Lehrerzentrierte frontale Unterrichtsmethoden werden dem Differenzierungsanspruch nicht mehr gerecht: das Modell einer Neuen Schule (von Hentig) entwickelt Methoden aus der Reformpädagogik (Montessori,  Gaudig, Freinet) weiter. Das Konzept des Lernzirkels, entwickelt bei Krebs, Potthoff, Wallaschek, Knapp, Faust-Siehl, bietet Differenzierungsmöglichkeiten und plurale Annäherung an eine Thematik, daneben Integration verschiedener Lehr-planebenen und Fachbereiche, Handlungs- und Produktionsorientierung, Multimedialität und Lernen mit allen Sinnen. Es bietet Demokratisierung des sozialen Umgangs der Schüler untereinander und mit der Lehrperson und übt Arbeitsformen, die in der Berufswelt der spätindustriellen lnformationsgesellschaft benötigt werden.

- Aufgrund neuerer Erkenntnisse aus der Kognitionsforschung kann davon ausgegangen werden, dass Lernprozesse nicht, wie bis dato angenommen sequentiell, also portionsweise der Reihe nach erfolgen, sondern dass Wahrnehmung ein ganzheitlicher, selbstorganisatorischer Prozess ist, bei dem mindestens ebensoviele Eindrücke von innen nach außen dringen wie von außen nach innen (z. B. beim Sehen oder beim Hören). Deshalb muss das Verabreichen sequentieller Lernhäppchen als überholt angesehen werden. Es bedarf daher eines Modells, das ganzheitlich ein umfassendes Erfahrungsspektrum anbietet, welches vom Lernenden selbstorganisatorisch erschlossen werden kann. Dabei ist es ihm möglich, bereits verarbeitete Erfahrung einzubringen, zu ergänzen oder auch ganz neue Erfahrungen zu machen. So kann er Energie und Zeit individuell für sich optimiert einsetzen, was ihm im gleichschaltenden Frontalunterricht nicht möglich wäre.

- kulturelle Erfahrungen: ein sensibles, sehr persönliches, vor allem weites Feld. Nirgendwo sonst mag die Differenzmannigfaltigkeit ausgeprägter sein. Die Klassengemeinschaft ist nach schulorganisatorischen Gesichtspunkten zusammengewürfelt. Toleranz gehört nicht immer oder nicht gleich zu den Stärken in zufälligen, sich dynamisch organisierenden Gruppen, kulturelle Vorlieben oder Abneigungen, erst recht Äußerungen werden bei lehrerzentrierter Methodik oft entweder von der hierarchisch autorisierten Machtbefugnis des Lehrenden oder von dominanten Cliquen oder autokratischen Schülerpersönlichkeiten kontrolliert und gruppendynamisch marginalere Personen haben nur geringe Chancen, ihre Interessen durchzusetzen.
Die marginalisierte Rolle der kulturbezogenen Fächer im Fächerkanon der allgemeinbildenden Schulen mit Ausnahme des Fachs Deutsch erlaubt der Lehrperson schon vom zeitlich vorgegebenen Rahmen her kaum die nötigen Analysen und die Evaluierung toleranzfördernder Maßnahmen für den Frontalunterricht. Dieser ist diesbezüglich in seiner Leistungsfähigkeit strukturell überfordert.

Unter der Voraussetzung der Wahl einer adäquaten Methodik könnte Ziel des Unterrichts in Kultur eine Erziehung zur kulturrelativierenden Denkweise sein, die drei Haupterfahrungen beinhaltet:

- Kultur ist ein funktional gebundenes, identitätsrelevantes dynamisches System und funktioniert auf bestimmte Weise

- Kultur per se ist wertneutral, es kommt darauf an, was Menschen mit und aus ihr machen

- Kulturen sind grundsätzlich gleichwertige Systeme; kultureller Zentrismus ist eine intolerante, für die Orientierung in einer global vernetzten Welt unbrauchbare und überholte Einstellung und deshalb zu ersetzen durch eine Hinführung zu plurikultureller Orientierung.

Der Erfahrungszyklus ist eine Weiterentwicklung des Lernzirkel-Modells, behält die grundsätzlichen Organisationsstrukturen bei,  differenziert jedoch verschiedene Erfahrungsebenen und versucht, durch ausgewogene Berücksichtigung der Aspekte im Sinne der konnektivistischen Kognitionsforschung ein ganzheitliches Erfahrungsspektrum zu ermöglichen.

Ein Anschluss in der Musikpädagogik besteht zum Modell Martin Webers, das er 'kulturerschließende Musikerziehung' (in: AfS-Magazin 1996/2) nennt. Da es vermessen wäre, den Begriff Erschließung umfassend auf alle Aspekte einer Kultur anwenden zu wollen, geht es im Erfahrungszyklus um Kultur-Erfahrung, womit eher ein Herantasten an nachvollziehbare kulturelle Elemente gemeint ist. Daneben besteht Affinität zu Rudolf Nykrins 'Erfahrungserschließender Musikerziehung' (Regensburg, 1978). Bereits Nykrin kritisiert, dass bei den Schülern bereits vorhandene Erfahrungen zu wenig in die Unterrichtsplanung einbezogen werden. Er schlägt vor, ausgehend von vorhandenen Erfahrungen, diese zu ergänzen und/oder Erfahrungsdefizite abzubauen.

Ein Erfahrungszyklus bietet alle drei Möglichkeiten: neue Erfahrungen können im eigenen Tempo, mit selbstbestimmtem Energieaufwand, selbstorgani-satorisch erarbeitet werden. Zeit und Energie können eingespart werden bei Aufgaben, zu denen bereits Vorerfahrungen vorhanden sind und letztere können in Partner- oder Kleingruppenarbeit wiederum Mitschülern nähergebracht werden, die diese Erfahrungen noch nicht gemacht haben. Hier kann - muss aber nicht - selbstverständlich auch die Lehrperson einbezogen werden.

Der Erfahrungszyklus bietet Wahlfreiheit hinsichtlich:

- des Energieaufwands
-  der Arbeitseitsinhalte
-  der Sozialformen
-  der Lernzeit

Unterrichtspraxis: mandala

1. Vorbereiten und Herstellen des Materials. Dazu ist zu beachten:

- knappe übersichtliche Arbeitsaufträge
- Lernen mit allen Sinnen: spielerische, handlungsorientierte, kreative, multimediale Arbeitsaufträge

2. Selbstkontrollmöglichkeit (Lösungsblätter, - wörter o. ä.)

3. Überschaubare Begrenzung der Materialien; nicht zu viele Segmente (10 bis 16), einige öfter auslegen (nicht mehr als dreimal), Verbrauchsmaterialien als Klassensatz (vorher kopieren)

4. Sorgfalt beim Herstellen der Materialien

5. Anordnung der Segmente im Raum: nach methodischen oder inhaltlichen Gesichtspunkten, Kärtchen mit der Nummern der Segmente, Programmzettel für die Schüler.

- Kreisgespräch mit den Schülern: Vorstellen der Methode, Aushändigen der Verhaltensregeln und des Programms, Informationen zur Organisation
- Rundgang mit Überblick über die Segmentmaterialien
- die Arbeit mit den Segmentmaterialien mit themenabhängigen Zeitvorgaben
- Kontrolle und/oder Bewertung der Schülerarbeiten; eventuell Präsentation der Ergebnisse

Abschließendes Kreisgespräch mit den Schülern, eventuell Fragebogenerhebung;
Schlussreflektion der Lehrperson(en); Korrektur- bzw. Erweiterungsmaßnahmen
am aktuellen Erfahrungszyklus.

Als konkretes Beispiel im Sinne transkultureller Erfahrungsmöglichkeiten werden hier drei Segmente (Erfahrungseinheiten) aus buddhistischen Musikkulturen vorgestellt. Kulturelle Ausdrucksmittel aus den drei großen buddhistischen Traditionen und sogar Techniken der religiösen Praxis spielen in unserem Alltagsleben oftmals eine Rolle, ohne dass uns der kulturelle Zusammenhang immer bewusst bliebe. Die Begriffe Meditation, Mandala oder Fantasiereisen sind auch in Seminaren der christlichen Kirchen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Der hier vorgestellte Erfahrungszyklus ist auf 12 Stationen ausgelegt, von denen drei nachfolgend als Materialien vorgestellt werden. Der gesamte Lernzirkel ist in Vorbereitung und soll danach käuflich zu erwerben sein, aber auch der Fantasie des Lesers kann Raum gegeben werden, hier vorgestellte Vorschläge durch eigene Kreationen zu ergänzen.Nachfolgene Grafik zeigt die Ebenen der Erfahrungsverarbeitung und ordnet sie den Möglichkeiten der vorgestellten Segmente zu (s. a. Rand der Einzelsegmente) ...... Literaturlinks zum Thema Reformpädagogik

Multimediales Material und Printversion bestellbar bei: ULME-Shop Tagungsband inklusive Audio-CD



© 5th of December 2000 by Martina Claus-Bachmann