Spielweisen der
E-Gitarre
Plektrum-Spiel
Ein Plektrum hat die Aufgabe, das Spielgefühl
nahtlos auf die Saiten der Gitarre zu übertragen. Gut ist ein Plektrum dann,
wenn man es eigentlich nicht mehr wahrnimmt. Man kann nur selbst herausfinden,
welches Modell dieser Anforderung genügt. Allerdings sollen an dieser Stelle
einige Informationen zum allgemeinen Wesen des Plektrums gegeben werden.
Formen und Maße
Während bei der Konzertgitarre das Spiel mit den Fingern (z.B.zupfen) die dominante Form ist,
wird bei der Westerngitarre und bei der E-Gitarre, gerade auch für das Solo-Spiel, gerne das Plektrum
(kurz Plek) eingesetzt. Zwei Typen haben sich
herausgebildet: das tropfenförmige Plektrum als Standard-Form und die
Dreiecks-Form (Triangle). Unterschiede der verschiedenen Marken bestehen in den
Größen und den Ausformungen der Spitzen bzw. Ecken. Außerdem erhöhen die
Hersteller die Grifffestigkeit des Plektrums durch eine vielfältige Gestaltung
der Oberfläche: Riffelungen, Raster, Logos oder sogar Lochmuster sind zu
beobachten.
Während man das Tropfenplektrum nur in einer Richtung halten kann, ist es beim
Triangle egal, da alle Seiten identisch sind. Wichtigstes Merkmal eines
Plektrums ist seine Stärke. Je dünner es ist, desto weicher ist das Spielgefühl;
je härter es ist, desto mehr Widerstand setzt es der Saite entgegen. Die Angaben
zur Stärke findet man in der Regel auch als Aufdruck auf dem Plektrum, die
Begriffe stammen, wie so oft, aus dem Englischen:
light/thin = dünn
medium = mittel
heavy = hart, schwer
Zudem gibt es noch die Zwischenstärken
extra light = besonders dünn
light-medium = dünne mittlere Stärke
medium-heavy = dicke mittlere Stärke
extra heavy = besonders dick
Cleanes offenes spielen (Hörbeispiel)
Verzerrtes offenes spielen (Hörbeispiel)
Bottleneck-Spiel
Viele bekannte Rockgitarristen benutzen
gerne den Bottleneck zum Slide-Spiel (slide = gleiten). Das Bottleneck-Spiel ist
möglich auf Gitarren mit Stahlsaiten, also auf Western- und E-Gitarren.
Beim Spiel mit einem Bottleneck (deutsch: Flaschenhals) benutzt man ein Röhrchen
aus Glas, Messing oder verchromtem Stahl, das über den Mittel- oder Ringfinger
der Greifhand gesteckt wird. Damit gleitet man auf den Saiten rauf und runter
und erzeugt so die fließenden Tonübergänge, auch Hawai-Effekt genannt. Mit den
freien Fingern kann man zwischendurch bei einiger Übung noch Akkorde greifen.
Die Saiten sollten beim Bottleneck-Spiel nicht zu tief liegen. Eventuell wird
die Gitarre in besonderer Weise gestimmt.
Einige Grundsätze müssen zusätzlich beachtet werden. Zunächst darf man beim
Gleiten nicht die Bünde berühren. Der Bottleneck streicht nur über die Saiten,
die dementsprechend also einigermaßen hoch liegen sollten, weil man ja doch ein
wenig drücken muss. Auch sollten die Saiten nicht allzu dünn sein.
Da die Bünde nicht berührt werden, ist es schwer, den genauen Ton zu treffen.
Man muss das üben, indem man von einer tiefen Lage zum gewünschten Ton
hingleitet. Der Bottleneck wird dabei im rechten Winkel zum Gitarrenhals
gehalten. So kann man auch zwei Saiten gleichzeitig anschlagen, was bei einer
Schrägstellung des Bottleneck nicht möglich wäre, weil die Töne aus ihren
angestammten Tonabständen heraus wären.
Saiten dehnen
Die Saiten sind zwar straff gespannt, aber dennoch sind sie dehnbar. Diese
Tatsache kann in das Spiel eingebaut werden. So kann ein Ton gegriffen,
mit dem Plättchen angeschlagen und gleichzeitig die Saite mit dem
Greiffinger gedehnt und langsam wieder zurückkommen gelassen werden auf den ursprünglichen
Ton. Dadurch entsteht ein fast stimmähnlicher Effekt, die Gitarre singt.
Ebenso kannst ein Ton, der gegriffen werden soll, einen Bund tiefer gegriffen
werden,
dann aber gleichzeitig die Saite so weit gedehnt werden, dass auf dem tieferen Bund
der höheren (gemeinten) Ton gezogen wird. Das ist sehr wirkungsvoll. Mit diesem Trick
kann man auch wunderbar verdecken, wenn man sich mal verspielt hat, man zieht
einfach die Saite höher.
Von Ton zu Ton gleiten
Das Gleiten kann immer eingesetzt werden. Der Lauf eines Tones kann damit
begonnen werden, dass an einer tiefen Stelle begonnen wird und dann schnell zu dem
gewünschten Ton hingeglitten wird. Beim Spiel können auch die Zwischenräume
zwischen den einzelnen Tönen durch Gleiten überbrückt werden. Ebenso ist es möglich, eine Solophrase mit dem Abgleiten in die
tieferen Saitenregionen zu beenden.
Hammering
Hammering ist eine angesagte Gitarrentechnik. Eddy Van Halen war in den
Siebzigerjahren der Meister aller Klassen und machte diese Spielart populär. Der
einfachste Weg: Eine Leersaite wird mit einem Plektrum angeschlagen, der Ton der
Saite klingt. Auf die schwingende Leersaite wird nun mit dem Greiffinger auf
einem Bund gehämmert (möglichst einen Ton, der zum ersten passt!). Wenn
das
sehr schnell gemacht wird, dann hört man praktisch zwei Töne - den der bereits
schwingenden Leersaite und den "gehämmerten".
Diese Technik kann beliebig verfeinert und verkompliziert
werden.
Bsp: Greife auf einer Saite einen Ton, schlage diesen an und halte ihn gegriffen. Hämmere nun einen weiteren Finger deiner Greifhand in schnellen Abständen auf den übernächsten Bund. Dann hast du den Effekt wie bei der Leersaite, aber bei jedem beliebigen Ton. Zusätzlich kannst du nun den Zeigefinger deiner Zupfhand auf einen weiteren Bund aufhämmern, wobei du darauf achten musst, dass du diesen Ton immer in dem Augenblick triffst, wenn der vorher hämmernde Finger gerade in der Luft ist. Ein Finger hält einen Ton, während zwei Finger zweier Hände wechselweise auf verschiedene Töne derselben Saite einhämmern. Es ist schwer zu beschreiben, man muss das mal hören und sehen. Lass es dir am Besten von jemandem zeigen, der es schon kann.
Tapping
Tapping ist verwandt mit der Hammering-Technik. Allerdings wird hier nur die
Spielhand benutzt. Mit einem oder mehreren Fingern greift man gezielt einen oder
mehrere Töne auf dem Griffbrett durch festes Aufdrücken des/der Finger/s ab. Es
erklingt also der in diesem Bund auf der entsprechenden Saite vorhandene Ton, bzw.
die Töne, falls man mit mehreren Fingern tappt.
Dadurch ist es möglich, ganze Akkorde mit der Spielhand erklingen zu lassen,
wenn man herausgefunden hat, wo man tappen muss. Oder man tappt nur Einzeltöne,
während man mit der Greifhand auf einer anderen Saite hämmert.
Es gibt Gitarristen, die auf diese Weise mit der Spielhand ein Tongefüge
erzeugen, das andere kaum mit zwei Händen zustande bringen.
Clean (Hörbeispiel)
Verzerrt (Hörbeispiel)
Vibratoeffekt
Vibrato wird erzeugt, indem man einen Ton in einem Bund greift, die Saite stark
drückt und gleichzeitig den Finger sehr schnell ein wenig hin und her bewegt.
Dadurch erhält der Ton einen singenden, schwebenden Charakter, steht aber auch
länger. Ein Beispiel zu den Effekten Dehnen, Gleiten, Vibrato ist der Song von
George Harrison "While My Gultar Gently Weeps", wobei das Solo aber
bekanntermaßen von Eric Clapton gespielt wurde.
Picking
Picking ist eine beliebte Spieltechnik der Rockmusik (vor allem im Metal
vorherrschend) und ähnelt dem „Hammering“ stark. Beim picking wird die Saite
zunächst an einem Bund von der Griffhand abgegriffen, um dann den auf der Saite
liegenden Finger mit einer Wucht so abzuziehen, dass zuerst der Ton des
abgedrückten Bunds und dann die Leersaite erklingt. Dies wird meistens schnell
gespielt, sodass es wieder so scheinen kann, als würden beide Töne gleichzeitig
gespielt. Wenn man diese Technik richtig beherrscht, kann man mit der Greifhand
„pickend“ über das Griffbrett sausen und zu der schwingenden Leersaite, passende
Melodien spielen. Natürlich kann während eines Laufs auch die Leersaite
gewechselt oder ein anderer Grundton abgreifen werden (hier wird die Ähnlichkeit zum Hammering besonders deutlich) und auch bleibt
es dem Spieler überlassen, ob er mit oder
ohne Plektrum die Saiten anspielen möchte.
Clean (Hörbeispiel)
Verzerrt (Hörbeispiel)
Zupfen
Das Zupfen von Gitarrensaiten kommt ursprünglich von der akkustischen bzw.
klassischen Gitarre. Hier werden die Saiten mit der Greifhand zu Akkorden oder
Melodiephrasen gegriffen und von den Fingern der Spielhand gezupft. Je nachdem
wie gut man diese Technik beherrscht unterscheiden sich Zupftechnik (in welcher
Reihenfolge zupfen welche Finger) und Geschwindigkeit. Aber zumeist spielt der
Daumen der Spielhand die am weitesten oben liegende Saite an und die restlichen
Finger zupfen die unteren Saiten. Diese Technik kann auch mit dem Plektrum
imitiert werden, wobei man sicherlich nicht so eine Geschwindigkeit erreichen
kann wie ohne es. Zudem können beim Zupfen ohne Plek auch mehrere Saiten
gleichzeitig angespielt werden, was so mit Plek nicht nachgemacht werden kann.
Abgeblockt spielen
Das Anspielen von Gitarrensaiten, die mit der Handkante der Spielhand kurz vor
den „Reitern“ abgeblockt werden, nennt sich auch „Palm-muting“. Diese Technik
wird vor allem in moderner Rockmusik verwendet.
Wie beschrieben werden die Saiten/ wird die Saite mit der Spielhand angespielt, während sie mit
der Handkante derselbigen abgedämpft wird. Hierbei muss beachtet werden, dass nicht
zu weit vorne abgeblockt wird, denn sonst erklingen die Saiten nicht richtig. Diese
Technik ist recht einfach zu erlernen und kann sehr gut mit dem offenen
Anspielen von Gitarrensaiten verbunden werden.
Clean (Hörbeispiel)
Verzerrt (Hörbeispiel)